Müller sorgt für Fußballsonne im brasilianischen Regen

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Es war eine Planschpartie, die Deutschland und Amerika am Abend des 26. Juni gegeneinander ausfochten. Bei jedem Sturz und jedem wutentbrannten Schlag gegen den Rasen explodierte der Rasen förmlich vor aufspritzendem Regenwasser. Der Amerikaner Jones geriet einige Male in Gefahr, diese Nässe noch durch scheinheilige Tränen zu untermalen.

Die Passgenauigkeit war eine der wenigen Dinge, die der ZDF-Kommentator zu bemängeln hatte und die auch auf dem Maxplatz (Bilder am Ende des Artikels) für einiges Stöhnen sorgten. Zu Recht, doch ging es den Amerikanern nicht anders und Fußball auf einer Art Schwimmbecken mit niedrigem Wasserstand zu spielen ist eben nicht gerade einfach.

Beim großen Duell Löw versus Klinsmann trafen zwei augenscheinlich sehr konterstarke Mannschaften aufeinander, wobei Deutschland sich erneut durch sein schnelles Umschaltspiel und seinen hohen Ballbesitz auszeichnete. Die Amerikaner hingegen errichteten ein Abwehr-Bollwerk und lauerten auf eine Unachtsamkeit der deutschen Mannschaft, die Gott sei Dank ausblieb.

Was lernen wir aus dem Spiel?

Doch hielt das Spiel auch individuelle Höhepunkte bereit. So konnte man den in letzter Zeit so in seinem Selbstvertrauen angeschlagenen Mesut Özil wieder an Geschwindigkeit, Motivation, Ballsicherheit und vor allem Spielspaß zulegen sehen.

Auch Oldie Klose legte ordentlich nach und zeigte, dass nicht nur jugendliche Fitness, sondern auch die Erfahrung vieler Spiele einen großen Vorteil mit sich bringen kann.

Der Ball verblieb die meiste Zeit über in der Häfte der USA. Brandgefährlich wurde es für die Herren in weiß dennoch relativ selten. Die Deutschen spielten entschlossen, aber sehr sicher und das Bollderk der USA war selbst für das 1:0 nur in einem mehrmaligen Anlauf zu knacken. Es war Müller, der mit einem Nachschuss die deutsche Fußballsonne inmitten des brasilianischen Dauerregens zum Leuchten brachte.

Ein wenig zu viel Schauspiel

Der Gewinner des Oscars heißt in diesem Spiel wohl Jones. Voller Dramatik fiel und fiel er und erhielt doch nie den so ersehnten Freistoß. Auch eine gelbe Karte für ein “so böses Faul”, das immer wieder gegen ihn gesetzt wurde blieb aus.

Obwohl er sein Mienenspiel beherrschte, fühlte sich mancher Zuschauer zuweilen an einen gewissen Portugiesen erinnert, der das Wasserpegel im Stadion allein durch seine herzergreifenden Tränen wohl noch höher hätte ansteigen lassen.

Zuweilen kam es einem dafür vor, als spiele man kein Fußball, sondern eine milde Version des American Football. Mit einer kleinen Sonderregelung: “Alle auf Schweini”. Bastian Schweinsteiger, Koordinator der deutschen Truppe musste im Spiel gegen die USA viel einstecken. Ob so manche Härte hätte sein müssen ist zweifelhaft.

Gemeinsamer Grund zum feiern

Doch sei wie es sei, Deutschland hat gesiegt und sich damit den Platz als Gruppenerster mit sieben Punkten gesichert. Und auch Jürgen Klinsmann hat allen Grund sich zu freuen.

Die lange Zeit nur müde belächelten USA haben in Brasilien das vollbracht, was selbst großen Fußballnationen wie England, Italien oder sogar dem amtierenden Welt- und Europameister Spanien verwehrt blieb: Das Überstehen der Vorrunde und Erreichen der KO-Runden ist eine Leistung, die höchste Anerkennung finden muss.

 

Hier gibt es Bilder vom heutigen Public Viewing am Maxplatz in Bamberg. Zum Glück war Müller dabei und schoß Deutschland 1:0 ins Achtelfinale. (Fotos: Jan Stehli)


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