In den letzten Jahren wurde vielfach über die Untere Brücke als Treffpunkt, speziell für Studenten, diskutiert. Manche Anwohner beschweren sich über den Lärm, den Müll, oder mutmaßliche Eskalationen der Studenten. Es stellt sich die Frage, ob die Situation wirklich so „dramatisch“ ist, wie sie gelegentlich dargestellt wird. Als jemand, der abends gerne noch ein bis zwei Stunden auf der Unteren Brücke chillt, würde ich das auf Anhieb erst einmal verneinen.

Um mir die Situation einmal genauer anzusehen, habe ich mal einen längeren Zeitraum, vom Nachmittag bis zum späten Abend, auf der Unteren Brücke verbracht und sozusagen eine kleine Feldstudie durchgeführt. Nur als kleiner Hinweis: Die Eindrücke, die ich gesammelt habe, sind natürlich subjektiv und können nicht die Situation über das gesamte Jahr widerspiegeln.

Nachmittags

Die Lage ist erwartungsgemäß noch sehr entspannt. Wegen des guten Wetters sitzen bereits einige Menschen auf der Unteren Brücke, trinken Kaffee, essen Eis oder genießen einfach die Sonne. Was mir auffällt, neben Studenten finden sich auch zahlreiche Menschen mittleren Alters oder auch Familien mit Kindern. Durchaus verständlich, die Fußgängerzone ist gleich um die Ecke und anders als z.B. auf der Kettenbrücke, fahren hier nicht ständig Autos durch. Die Stimmung ist ruhig, extremen Lärm oder sogar körperliche Auseinandersetzungen gibt es nicht. Das scheint auch erst mal so zu bleiben.

Gegen Abend

Die Familien sind größtenteils verschwunden. Viele der Anwesenden wechseln von Kaffee, Wasser oder Softdrinks zu Bier. Harten Alkohol sieht man eher selten. Die Zahl der Studenten, so wie die generelle Personenzahl nimmt zu, auch das war zu erwarten, schließlich ist die Uni aus und die meisten Berufstätigen haben Feierabend. Dementsprechend wird es auch etwas lauter, allerdings in einem durchaus erträglichen Rahmen. Einige Pfandsammler laufen die Brücke auf und ab und fragen höflich, ob man die leeren Flaschen noch braucht.

Meinen ersten „muss das sein?“-Moment habe ich, als sich mir gegenüber eine Gruppe junger Männer, geschätzt Ende zwanzig, in einheitlich bedruckten T-Shirts –„letzter Tag in Freiheit“ – niederlässt. Junggesellenabschied, da gehen sie hin, Ruhe und Entspannung. Ganz so schlimm wird es dann aber glücklicherweise nicht. Die Jungs trinken, klopfen ein paar dumme Sprüche, löblicherweise aber nur untereinander und spielen Ballermann Musik ab. Nach einer knappen Stunde ziehen sie aber in Richtung Sandstraße weiter. Auf dem Rest der Brücke herrscht weiterhin eine recht gemütliche Stimmung.

Es geht auf Mitternacht zu

Der Rest des Abends ist bislang größtenteils unspektakulär verlaufen, die Brücke war zwar bis vor einer halben Stunde noch brechend voll, viele sind aber mittlerweile weitergezogen. Um diese Zeit habe ich jedoch nochmal eine Begegnung der Kategorie „kurios, aber harmlos“. Ein ziemlich betrunkener Mann, anscheinend Amerikaner, geht die Brücke ab und versucht mit JEDEM der dort Sitzenden ein Gespräch anzufangen. Er ist zwar gut drauf und freundlich, bekommt aber kaum einen geraden Satz heraus. Meine Empfindungen schwanken zwischen Belustigung, Mitleid und der Befürchtung, dass er bei mir als Nächstes vorbeikommt, wobei sich Letzteres bewahrheitet. Ich halte mein Englisch für relativ gut, allerdings verstehe ich kaum ein Wort. Lediglich die Tatsache, dass er sich mit „Doctor Chocolate“ vorstellt, bleibt mir im Gedächtnis. Nach ein paar Satzfetzen und einem breiten Grinsen geht er auch schon weiter.

Gegen ein Uhr morgens

Ich begebe mich langsam auf den Heimweg. Mein Fazit: Ja, es ist voll und gelegentlich auch relativ laut. Der Lärm scheint mir aber selten von den Studenten, sondern eher von „Touristen“ auszugehen, die nur für ein oder zwei Tage in der Stadt sind. Zerbrochene Glasflaschen oder Müll im Allgemeinen sind nur sehr vereinzelt vorhanden, was anhand der großen Menge an Besuchern erstaunlich ist. Aggressives Verhalten, geschweige denn Gewalt ist mir überhaupt nicht aufgefallen.

Insgesamt hatte ich einen entspannten Nachmittag und Abend und als jemand, der außerhalb von Partys oder langen Autofahrten eigentlich kein Riesenfan von lauter Musik ist, empfand ich den Lärmpegel als durchaus erträglich. Natürlich gab es in der Vergangenheit schon Auseinandersetzungen auf der Brücke, sogar gewalttätige und die wird es auch wieder geben. Das wird aber überall dort passieren, wo sich Menschen begegnen.

Ich persönlich empfinde das gelegentliche Entspannen auf der Unteren Brücke als einen sehr angenehmen Teil meines Lebens in Bamberg und solange man sich rücksichts- und respektvoll verhält, sollte es damit auch keine Probleme geben.

 

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