Heute Vormittag fand die Pressekonferenz zur Absage der Bamberger Sandkerwa statt. Hier stellte sich der Bürgerverein Mitte den Fragen der Presse. Der Rote Faden im Rahmen dieser Veranstaltung: Das Verhältnis von Bürgerverein und Stadt Bamberg ist nachhaltig vergiftet.

In den letzten Tagen wurde von allen Seiten viel über die Absage der Bamberger Sandkirchweih diskutiert. Nun meldeten sich endlich die Verantwortlichen zu Wort und erklärten, warum eine Sandkerwa 2017 aus ihrer Sicht rechtlich und wirtschaftlich nicht mehr in Frage käme.

So etwa würden die Organisatoren alleine die juristische Haftung für das Volksfest tragen. Damit stünden sie permanent mit einem Bein im Kittchen oder müssten mit ihrem Privatvermögen für mögliche Schäden aufkommen. Dieses Risiko lohnt sich für unbezahlte Ehrenamtliche lediglich, wenn eine Veranstaltung Gewinne erwirtschaftet. Und genau hier hapert es bei der Sandkerwa.

Die steigenden Kosten

Bereits die Sandkerwa 2016 schrieb mit knapp 8.000 € Verlust deutlich rote Zahlen. Die interne Prognose für 2017 habe sogar knapp 20.000 € Verlust ergeben – der Moment die Reißleine zu ziehen. In der Vergangenheit habe die Sandkerwa immer zwischen 6.000 € und 10.000 € Gewinn erzielt, welche dann in den Erhalt und Ausbau und die Infrastruktur des Sandgebiets geflossen seien. “Wenn es nicht mehr gegeben ist, dass für einen Verein und die Vereinsarbeit Geld generiert wird, dann hat sich eine Veranstaltung für einen Verein eigentlich erledigt.”, so Jürgen Wirth vom Bürgerverein.

Der Grund hierfür seien zweifelsohne stetig steigende Kosten, welche auf die Betreiber zukämen. Als Beispiel hierfür nannte Ulrike Heucken vom Bürgerverein
die sanitätsdienstliche Versorgung auf der Sandkerwa. Noch 2014 habe dieser Posten knapp 6.000 €, im Folgejahr jedoch bereits über 11.000 € gekostet. Für 2017 wäre er auf etwa 18.000 € angestiegen – zuzüglich der Notarztkosten von mehr als 5.000 €.

Die Stadt als Profiteur

Hinzu kämen städtische Kosten, wie Feuerwehr, Reinigung oder die Beschilderung, welche die Sandkerwa als kommerzielle Veranstaltung entrichten müsse. Diese würden die städtische Bezuschussung des Volksfestes von 25.000 €, welche seit 2001 nahezu konstant geblieben sei, bereits seit Jahren überschreiten. Stadt und Stadwerke treten hierbei lediglich als Profiteure der Sandkerwa auf und hätten sich in der Vergangenheit wenig kooperativ erwiesen. Als besondere Posse erscheint hierbei der Bericht die Verlegung zweier Bushaltestellen im Rahmen der Veranstaltung. So würden städtische Parkhäuser und Busse im Rahmen der Sandkerwa ausgelastet. Dies habe jedoch nicht zu genug Kulanz geführt, um darauf zu verzichten eine Rechnung von knapp 80 € für das Laminieren neuer Busfahrpläne zu stellen.

Aber auch neue Forderungen der Ämter zusätzlich zum polizeilich abgesegneten Sicherheitskonzept würden die Kosten steigen lassen. So seien für 2017 etwa LKW-Sperren oder die Beauftragung eines Dienstleisters für Besucherzählungen im Gespräch gewesen.

Keine neuen Einnahmequellen

Neue Einnahmequellen hingegen, wie etwa ein Eintrittsgeld oder die Erhöhung der Standgebühren, kämen für die Sandkerwa nicht infrage. So seien die Standgebühren bereits am Rande der Schmerzgrenze für die Betreiber. Außerdem wäre ein Eintrittsgeld aufgrund der hohen Kosten für eine vollständige Absperrung aller Zugänge ins Sandgebiet vermutlich ein Nullsummenspiel.

Angesprochen auf eine städtische “Notkirchweih” zeigten sich die Verantwortlichen des Bürgervereins amüsiert. So müsse man anstelle der zahlreichen ehrenamtlichen Helfer bezahltes Personal beschäftigen. Außerdem könnte die Stadt auf eigene Faust lediglich ein Altstadtfest ausrichten, denn die Namensrechte für die Sandkerwa lägen beim Bürgerverein.  “Eine Sandkirchweih ohne Bürgerverein wird es nicht geben.”, so Wirth.

67 Kommentare

      • Das ist doch Augenwischerei…wenn ich ehrenamtlich was mache, dann muss mir klar sein, dass das mit Aufwand verbunden sein wird, für den ich keine Gegenleistung bekomme. Deswegen auch der Begriff “Ehren-“amt…
        Zudem ist es doch so:
        Bin ich als Verein am Erhalt der Sandkirchweih interessiert, dann bestehe ich nicht auf die blöden Namensrechte…sondern versuche mit der Stadt einen Weg zu finden, dass man doch etwas auf die Beine stellen kann.
        Soll doch die Stadt das Fest ausrichten…wo ist das Problem ? Gebt der Stadt die Erlaubnis, den Namen nutzen zu dürfen…schließlich handelt es sich hier um ein weltweit bekanntes Volksfest…was wohl etwas mehr Bedeutung haben sollte, als eure verletzten Eitelkeiten, was den namen angeht…

    • ach und was der Verein bis jetzt geschaffen hat soll er schön den neuen überlassen, die dann wohl zu besseren Konditionen schön weiter machen können. Geht ja nicht nur um das Finanzielle. Wer kann es sich in der jetzigen Zeit dafür gerade stehen wenn es zu einen Terroranschlag kommt. Auch das in so einen Fall der Abbruch der Veranstalltung dann ist und dadurch der Verlust noch größer. Da spielen mehrere Faktoren mit.

      • Wenn der Verein am Erhalt dieses Traditionsfestes interessiert ist, dann WIRD er es der Stadt überlassen…völlig egal, was er bisher da reininvestiert oder “geschaffen” hat.
        Und was die Terrorgefahr angeht…woanders wurden auch Volksfeste gefeiert…das ist also nicht wirklich ein Argument. Das Motto muss vielmehr gerade deswegen sein: Jetzt erst recht. Und wenn es der Verein finanziell nicht stemmen kann, ok, das kommt vor, dann soll er sich eben von der Stadt helfen lassen…auch wenn er dann etwas von seinem “Ruhm” abgeben muss…mal von den paar Kröten abgeshen, was die Stadt evtl. an Gewinn machen könnte…Leute, das ist der ganze Zirkus echt nicht wert.
        Rauft euch zusammen, seid erwachsen und findet einen Weg mit der Stadt zusammen… DAS würde eure wahre Größe zeigen…

  1. Jede Entscheidung ist erst einmal grundsätzlich zu respektieren. Wenn der Bürgerverein Rechteinhaber ist, dann kann er das auch vermarkten. Und wenn die äußeren Bedingungen zu einem negativen Ergebnis führen würden, dann sind alle Entschlüsse logisch.

    Julian Caladan: Da steht nichts von “beleidigt”. Du musst Dir einfach nur vorstellen, Du gehst einen Monat arbeiten, bekommst aber kein Geld dafür und der Staat möchte dann von Dir, dass Du 1000 Euro zahlst.

    • Frank Heumann…der Vergleich ist haaresträubend.
      Wenn ich auf die Arbeit gehe, dann mache ich das mit dem Ziel meinen Lebensunterhalt zu finanzieren.
      Lege ich das auf diese Situation um, dann müsste der Verein diese Veranstaltung machen, mit dem Ziel, den Verein zu finanzieren…und das ist ja so nicht der Fall.

      Ich sehe das ähnlich wie Julian Caladan: Hier geht es um Eitelkeiten und darum, dass irgendjemand den Hals nicht voll genug bekommt. Die Tatsache, dass man derart auf die Namensrechte besteht zeigt das mehr als deutlich.

  2. I love Bamberg and especially the Sandkerwa…I am so sorry to read about the cancellation..It was always so much fun and we tried to go every year for it…Last year we had reservations for travel and hotels to attend the festival and had an emergency that caused cancellation for us…I am sorry that our world is in such a mess that we have to give up some of the things we loved the most just because of evil people…

  3. Bravo Bürgerverein! Genau richtig reagiert. Man kann sich lang etwas ansehen. Aber irgendwann muss man sagen: “Es reicht!”
    Der Zenit der Event-Gesellschaft, die es immer größer, lauter, spannender will,
    ist überschritten!
    Seit Duisburg. Denn seitdem schaukelte sich alles auf! Teure Sicherheitskonzepte, die 100 %ige Absicherung wollen, was es nie erreicht werden kann.
    Und alles kostet, vorab Sitzung um Sitzung mit Veranstaltern, Polizei, Feuerwehr, Stadtverwaltung, Nahverkehrs-
    unternehmen und anderen Betroffenen und Bergen von Auflagen, die zu erfüllen sind, dass sie schon so viel Geld und Zeit kosten, dass nicht mehr viel übrig bleibt für’s eigene Fest.
    Alles auf dem Rücken der Ehrenamtler! So wird ein Fest nach dem anderen den Bach runter gehen….
    Vielleicht muss es so sein, damit wir alle wieder auf dem harten Boden der Realität ankommen.
    Zurück zu den kleinen ursprünglichen Festen, wo sich Menschen trafen, die sich kannten und mit denen ein paar fröhlichen Stunden verbracht wurden. Ohne Taschenkontrolle, Eingangsschleusen und Reglementierungen, wie gefeiert werden soll. Und Ehrenamtler, die sich nur damit beschäftigen, was zum Fest gebraucht wird, wer wann wo seinen Einsatz hat und wer beim Aufräumen danach mithilft.
    Seid nicht traurig, seht Euch um bei den anderen Städten, wo auch Entschlüsse gefasst haben, dann eben eher ein Fest abzusagen, das schon lang nicht mehr das Fest wäre wie es einst war…

  4. Zuerst: Mein Elternhaus steht in der Sandstraße und ich bin dort groß geworden. Ja, ich finde es sehr schade, dass die Sandkerwa 2017 nicht stattfindet…. Aber ganz ehrlich: Diese Kerwa war ursprünglich ein Fest der Bamberger, eben die Kirchweih der Elisabethenkirche – was aber ist in den letzten Jahren daraus geworden? Nicht zuletzt Dank überregionaler Werbung wie z. B. durch Antenne Bayern, Bayern 3 und 1, TVO etc., etc. Da muss man sich doch nicht wundern, wenn sich zuletzt wahre Menschenmassen durch die schönen Gassen der Altstadt schieben und vom eigentlichen regionalen Bürgerfest nichts mehr übrig bleibt. Ich kann den Bürgerverein sehr gut verstehen und respektiere dessen Entscheidung, auch wenn es mir in der Seele weh tut, seid meiner Kindheit nun keine Sandkerwa mehr zu erleben.

  5. Traurig aber wahr! Früher gab es Besuchsanhänger für 1DM oder so, warum macht man das heute nicht mehr? Wäre doch eine gute Einnahme und jeder kann sichs leisten. ( natürlich nur für Besucher ab 16 Jahren). Bei der 10. Kerwa habe ich beim Festzug teilgenommen! Das waren noch Zeiten als wir am Samstag Abend mit geschmückten Booten auf der Regnitz fuhren.

  6. Die Begründungen mögen ja teilweise (eine GmBH ist nur beschränkt haftbar) nachvollziehbar sein, warum jedoch wird dann der Stadt keine Einsicht in die Bücher gewährt? Warum lässt man die Bombe so platzen und will wohl garnicht ins Gespräch mit der Stadt kommen? Pressekonferenz Tage später? Und schließlich: wenn es den Leuten um das Fest an sich geht und nicht eigenen Profit, warum dann den Namen nicht freigeben?